Von Ziegen und Menschen

Der amerikanische Schriftsteller und Redner Mark Twain, der auf seinen Vortragsreisen rund um die Welt viel erlebt hatte, zog kurz vor seinem Tod (1910) Bilanz und sagte: „Ich bin ein alter Mann und habe viel Schreckliches erlebt. Aber das meiste ist nie passiert.“

So geht es mir beim Schreiben manchmal. Nicht, dass ich viel Schlimmes erlebt hätte, aber mein Inneres leidet beim Schreiben mit.
Gestern passierte das mit der Ziege, die von einem wütenden Franzosen in einen Stacheldraht getrieben wurde, weil sie Salat aus seinem Gemüsegarten frass. Er drohte, sie mit der Flinte zu erschiessen. Ich schickte meinen Protagonisten subito dort hin, um sie zu befreien und ihr damit das Leben zu retten.
Ich litt mit der Ziege, meine Emphatie lässt sich nicht steuern !

Heute morgen schrieb ich weiter. Mir war klar, dass sie überleben würde. Dann die ersten Zweifel: Was, wenn ich sie sterben liesse, würde das die Szene voran treiben?
Wie geht der Leser, die Leserin damit um?

Es sind tausend solche Fragen.
Und womöglich weine ich heute Abend, falls *Gustave doch sterben wird.

geiss

*Gustave.
Obwohl sie eine Ziege ist, trägt sie den Namen eines Geissbockes. Das hat damit zu tun, dass sie zuweilen aggressiv auf Menschen reagiert und, als sie noch klein war, für einen Bock gehalten wurde.

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