Instant Love…

Gestern im Supermarkt: Menschen auf der Jagd. Sie fühlen sich unbeobachtet, sie hetzen durch das Geschäft und wollen rasch wieder nach Hause.
Ich stehe vor den Kisten mit dem Obst, als ich den jungen Mann bei den Smoothies stehen sehe. Er trägt Kopfhörer über seinen langen, lockigen Haaren. Mit dem Fuss wippt er gleichmässig einen Takt, den nur er hört. Am Rücken ein Rucksack, an den Füssen Allstars. Während ich Äpfel in eine Tüte packe, sie zur Waage trage und abwäge, tritt ein junges Mädchen zum gleichen Regal wie er.

Ich bleibe verzückt stehen. Hier bahnt sich etwas an, das spüre ich. Das Leben ist ein Film mit unterschiedlichen Genres, jetzt spielt sich eine Romanze ab.
Eine Frau in Jeans und schwarzen kurzen Haaren hängt mit einer Stange grosse, bunte Blumen an die Decke. Ich lege sorgfältig die Äpfel in den Einkaufswagen, ohne die beiden aus den Augen zu lassen.
Das Mädchen steht unschlüssig neben ihm, sie ist mindestens einen Kopf kleiner als er. Hübsch. Vielleicht sogar schön, ich kann das aus dieser Distanz nicht wirklich beurteilen.

„Wartet!“ Will ich rufen. „Nur einen Moment noch!“
Der Soundtrack muss passen, finde ich. Zu jedem richtigen Zeitpunkt gehört die richtige Musik. Was, wenn sie sich später nicht mehr an die Musik erinnern, die damals durch die Lautsprecher des Supermarktes lief ? Oder, noch schlimmer, wenn Helene Fischer ihren Nachtsong spielen würde? Die Beziehung wäre zum Scheitern verurteilt.
Ich schweige. Aber ich denke mir ein Lied aus. Vielleicht das hier ?

Er schaut sie an, dreht schüchtern den Kopf weg und greift endlich zu einem giftgrünen Smoothie. Kiwi, vermute ich. Sie macht das gleiche, zum genau gleichen Zeitpunkt. Ihre Hände fliegen wie kleinen Vögel auf die kleinen Flasche im Kühlregal zu.
Ein Atemzug noch und sie treffen sich in der Luft.

hand

Wenn sie sich berühren, sprühen Funken aus glänzenden Sternen aus den Kontaktpunkten ihrer beider Hände.

Ich bin längst stehen geblieben. Eine Boje in der hektischen Welt zwischen Mandarinen, Kopfsalat und Radieschen.
Werde umspült von Menschen, die blind sind. Niemand sieht was ich sehe.
(Romantiker unter euch lesen jetzt nicht weiter.Stopp hier.)

Kurz bevor sich ihre Seelen Hände treffen, zieht er seine zurück und macht die grosszügige Geste eines Mannes, der jemandem den Vortritt lässt! Er tritt einen Schritt zurück, oh Mann. Sie nimmt sich lächelnd, noch immer, den Saft, legt diesen in den Wagen und eilt zu den Yoghurt.
„Halt“, bin ich versucht zu rufen, „der Song war falsch, das merke ich jetzt. Komm zurück, ich blende einen anderen ein!“
Er hingegen schaut ihr nach, lange, mit der schrillgrünen Flasche in den Hand. Abschliessend dreht er sich zu mir um, runzelt die Stirne ein bisschen, dann zuckt er mit den Schultern.

Ich bin versucht ihm kumpelhaft und verständnisvoll auf die Schulter zu klopfen. Lasse es dann aber doch sein.
Sie haben einander verpasst.

Ps.(Romantiker, trotzdem bis hier her gelesen? Ihr seid Rebellen. Ich mag Menschen, die nicht tun, was ich von ihnen erwarte

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