Das Glück im Einmachglas

Ich werde Einmachgläser kaufen. Jede Menge davon. Um sie alle zu füllen mit Dingen, die mir lieb geworden sind. Oder solchen, die wie ein Orkan durch mich hindurch gefegt sind und Spuren hinterlassen haben.

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In ein Glas würde ich ein gestohlenes Lachen, das helle, strahlende, meiner Mitbewohnerin stecken. Wenn sie glücklich ist, und das ist sie meistens, wandert ihr Lachen zu den grünen Augen und tupft goldene Lichter dort hinein.

In ein anderes Glas käme mindestens einer dieser berührenden Sätze, mit denen mein jüngerer Mitbewohner mir regelmässig den Atem nimmt.Weil sie so treffend sind und mir zeigen, wie gut er mich kennt.

Ein Stück Farbe würde in ein anderes Glas kommen. Die Farbe, mit der wir zu viert an einem der letzten Sonntage die Wand gestrichen haben. Herumalbernd, kichernd und mit dem satten Ton, der klebrige Farbe an sich hat, wenn sie mit dem Roller aufgetragen wird. (Hast du das schon mal gehört ? Ich liebe es.)

Eine gestohlene Locke käme auch in ein Glas. Sie rollt sich ein wie eine Schnecke hinten im Nacken, wenn der Träger dieser Locke leicht anfängt zu schwitzen. Erst dann biegen sich die Haare zu einer trotzigen Welle, die anfängt sich zu kräuseln.

Das Lachen, dieses unbeschwerte laute Lachen, dessen Ursache mein Wolf ist: Wenn er glücklich über die Felder rennt, sein langes Fell zerzaust wie im Sturm. Weil ich in diesen Momenten so unendlich glücklich bin, so viel pure Seligkeit verspüre, dass ich es fast nicht aushalte. Das würde ich auch gerne in ein Einmachglas pusten. Für trübe Tage.

Das hier käme auch in ein Glas. Nur ein winziger Tupfer, soviel wie auf meinen Zeigefinger passt. Weil es so glücklich macht. Mehr nicht. Weniger aber auch nicht.

Musik. Meine Lieblingssongs, die wechseln täglich, müssten auch in ein Glas. Von jedem Song, der mich momentan in Verzückung bringt, drei Töne. Nur drei. (Findest du das albern und wenig ? Nein. Schau. Womöglich ergibt dich dadurch eine neue, nie gehörte Harmonie. Ich hätte nicht nur einen Tonvorrat, sondern ein ganz neues Lied. Ein ganz persönliches.)

Ich hätte gerne ein paar Haare meiner Katze in einem Glas. Der Diva, die ihr Futter nur isst, wenn man so tut, als würde man ihr neues geben. Aber es nicht tut. Sondern nur mit den Fingern im Napf knuspert. Ihr Fell ist weich und warm.
Manchmal liebt sie es, wenn sie gestreichelt wird. Oft nicht. Sie entscheidet. Und das macht es zu einem spannenden Spiel: Ich will immer. Sie nicht.

Die Stille würde ich in ein Glas einsperren. Jene Stille absolute Stille, die ich jetzt höre, wenn ich aufhöre zu tippen.
Da ist nichts, nur das gelegentliche Atmen des Wolfes am Boden neben mir. Sonst nichts. Nicht mal das Rauschen des Windes, Schnee der vom Dach tropft…Nichts.

Ein Stück des selbstbestimmenden Tages würde ich in ein Glas legen, ganz vorsichtig. Dann, wenn ich frei habe und morgens aus einem Traum erwache und mir bewusst wird, dass ich heute nichts muss.
Nur tun darf, was  ich tun will. Und nicht mal das.

Ein Glas hätte ich nur für die berauschenden Sätze aus Büchern, die ich mir immer merken will und natürlich vergesse.
Die Sätze, die mein Denken verändern, die Klappen in meinem Kopf öffnen und mein eigenes Denken fliegen lassen. Um vermählt mit anderen Gedanken zurück kommen.

Menschen darf man nicht einsperren. Niemals. Auch nicht in Einmachgläser. Aber ihren Duft vielleicht?

Ich würde diese Gläser nebeneinander stellen, sie womöglich beschriften. Jedes Glas mit einer anderen Farbe. Und täglich käme ein halbes Dutzend neuer Gläser dazu.
Ganz bestimmt.

Was würdest du sammeln ?

1 Comment

  1. …was für ein schöner und inspirierender Gedanke, wow! Wirklich toll! Ich gehöre nicht zu den Menschen, die grundsätzlich krampfhaft konservieren wollen, aber vielleicht würde ich sowas wie Liebe und Glück in Einmachgläsern verwahren, zum Schutz und zur genaueren Betrachtung. Hm… wirklich schöne Gedanken! Ich danke Dir dafür.

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