Ich verlasse dich

„Was gibt es zu Essen ?“ fragt er und kratzt sich am Hals.

Sie würde Jean-Jacques verlassen. Morgen.

Zuerst würde sie zur Bank spazieren, ganz bedächtig weil sie alle Zeit der Welt haben würde, und dort ihr erspartes abheben.Viel war es ja nicht, aber es würde reichen für das, was sie vorhatte. Gegenüber der Bank ist ein kleines Bistro, dort sitzen abends meistens die Männer und trinken ein Bier, bevor sie heim gehen. Jean-Jacques tat das auch. Dorthin würde sie gehen, sich auf einen der hohen Stühle an der Bar setzen und einen Pastis trinken.

Ohne Eis.
Bitte, ohne Eis.

Mit den Füssen in der Luft und dem kalten Glas in der Hand würde sie sich ausdenken, was sie im Brief schreiben würde.Ich habe dich verlassen, Jean-Jacques ! War nicht dramatisch genug: Sie hatte im Lauf der Jahre mit ihm schon unzählige Abschiedsbriefe geschrieben, gedanklich, jetzt ging es nur noch darum, den passenden Text in ihrem reichhaltigen Schatz zu finden. Anschliessend würde sie zu Papeterie gehen.

„Briefpapier bitte. Das schöne, mit dem Wasserzeichen.“

Würde sie zur Verkäuferin sagen, dem jungen Mädchen, die immer bunte Fingernägel trägt und grosse Creolen an den Ohren. Ob mir das auch stehen würde? Soll ich? Sie würde das Schreibpapier sorgfältig in ihre Handtasche schieben, schliesslich ist es der Audi unter den Papieren und teuer wars auch noch.
An diesem Punkt des Plans war sie sich nicht schlüssig, ob sie die kleine Shell Tankstelle ausrauben würde und mit dem kleinen, roten Cabrio des Besitzers (er war der Schwager des Bruders von Jean-Jacques ), an die Küste fliehen.

Oder doch lieber die Bahn nehmen sollte. Zuerst aber würde sie aber auf der Parkbank bei der alten Schule den Brief schreiben:

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 Lieber Jean-Jacques !

Blablabla.Niemals geliebt. Blablabla.Such mich nicht!Blablabla.Ich bin weg. Bla.

Drüber bei der Post würde sie eine Briefmarke kaufen:“ Haben sie eine mit einem Vogel drauf ?“ Er mochte Vögel. Die Briefmarke ablecken und  aufkleben, auf das teure, exklusive Couvert von der Papeterie.Abschliessend mit zitternden Händen ein paar

mysteriöse Zeichen auf den Brief malen: Schutz und Loslassen und Glück.Tschakatschaka. Dann den Brief in den Schlitz des weissen  Briefkastens werfen: Frei!

An dieser Stelle war sie sich nicht ganz sicher wie es weitergehen würde:Sollte sie vielleicht doch die Tankstelle überfallen, zuerst ? Das Geld könnte sie allemal brauchen, für das, was sie vorhatte ?

„Was gibt denn jetzt  zu Essen ?“ fragt er erneut, diesmal klang es drindend.

„Pot-au-feu . Das magst du doch. Setz dich, bin gleich soweit…“ antwortete sie.

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